Unsere Welt neu denken

Veröffentlichung von Prof. Dr. Christine Funk in der aktuellen Ausgabe des Zeitsprung-Heftes.
 

Unsere Welt neu denken

Rückblick auf eine ökumenisch-unterreligiöse Weiterbildung in Berlin

Christine Funk, Professorin für Systematische Theologie ander Katholischen hochschule für Sozialwesen (KHSB)

Unsere Welt neu denken wollten Lehrerinnen und Lehrer des Evangelischen und Katholischen Religi- onsunterrichts, die an der digitalen Weiterbildung am 30.4.2021 teilnahmen. Unsere Welt neu denken interessierte auch Lehrerinnen des Islamischen Religionsunterrichts, die erstmals an einer von AKD und der Schulabteilung des EBO organisierten Weiterbildung teilnah- men. Mitveranstalter war der Ökumenische Rat Berlin Brandenburg (ÖRBB), der damit an 20 Jahre Charta Oecumenica und die Relevanz des Konziliaren Prozesses Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung erinnerte. Eine digitale Abendveranstaltung unter dem Titel Donut für Berlin, ebenfalls vom ÖRBB initiiert, konkretisierte das Anliegen Unsere Welt neu denken mit Information und Gespräch über das Donut-Konzept der britischen Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth. Mit Donut-Ökonomie beschreibt sie ein Wirtschaftsmodell, das die planetaren Grenzen respektiert und Fragen von Ökologie und Nachhaltigkeit mit den Gerechtigkeitsfragen der Gesellschaft zusammen denkt.

Am Vormittag wurde das Buch von Maja Göpel Unsere Welt neu denken vorgestellt, das die Regeln, nach denen das globalisierte Wirtschaftssystem des „grenzenlosen Wachstums“ – immer noch – funktioniert, als veraltet kritisiert. Sie erinnert eindringlich daran, dass alle Fakten, die sie übersichtlich und zum Umsteuern motivierend darstellt, bereits seit über 30 Jahren bekannt sind. So komme das leitende Wirtschaftsmodell aus der Weltsituation des 18. Jahrhun- derts; damit entspreche es eben nicht mehr den Notwendigkeiten, die eine gewachsene Weltbevölkerung und die Erkenntnisse der Folgen der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen erfordern. Das Buch lebt u.a. von den überzeugenden Beispielen, die jede:r Bürger:in kennt. Es zeigt zum Wandel ermutigend auf, wie neues Denken und Verhalten zusammenhängt, und wie nachhaltiges Wirtschaften mit der Gestal- tung von gesellschaftlicher und globaler Gerechtigkeit einhergeht.

Wie Veränderung konkret in Berlin schon gestaltet wird, zeigten dann „Thementische“, die als digitales Worldcafé besucht werden konnten: Über Ernährung (Restlos glücklich e.V.), Positive Müllnutzung (From cradle to cradle), sowie Kirchliche Nachhaltigkeitsarbeit referierten Akteur:innen in diesen Feldern. Über Externe Kosten, die unkompen- siert der Allgemeinheit aufgelastet werden, konnte man sich ebenfalls informieren.

Der Nachmittag bot Reflexionen der notwendigen Veränderungen im Horizont der Vorstellungswelten der religiösen Traditionen von Ju- dentum, Christentum und Islam. Das Thema Schöpfung als narrative Grundlage der Verbundenheit von Leben auf der Erde, das sich in der Wahrnehmung des Gegenübers des raum- und lebensschaffenden Gottes erkennt, wurde in drei Inputs aus jüdischer, christlicher und muslimischer Perspektive anschaulich gemacht. Sehr interessant war, dass in allen drei Zugängen die Erfahrung von Geschichtlichkeit und dem Scheitern in der Geschichte mit dem Erzählen von Schöpfung verbunden ist. Allerdings unterscheiden sich die Interpretationen des Scheiterns, zum einen als Folge der Freiheitstat (jüdisch), als Folge der Erbsünde (christlich) und Scheitern als menschlich bedingt (ohne Erbsünde – muslimisch). Analog zu den Thementischen des Vormittags wurde dann in Workshops das Veränderungspotenzial in der Reflexion aus den drei Religionstraditionen deutlich. Auch gute Praxisbeispiele aus Schulen als gesellschaftlichen Transformationsräumen wurden von Praktiker:innen geteilt. „Nichts ist ohne anderes“ – Wechselseitig- keit als Schöpfungsperspektive„Verhaltensmüll vermeiden – Fasten als Friedensimpuls“; „Essen, um zu leben“ – Eucharistie und Abend- mahl: im Mangel Gemeinschaft und Fülle schaffen; „Klimagerecht in der Schule handeln“; „Schule neu denken, Lernen neu lernen“ waren die Einzelthemen.

Am Ende war im Feedback-Chat oft zu lesen: „Lust auf mehr“!

Beteiligte Personen:

Prof. Dr. Christine Funk